Balance Teil 2: Die Sache hat nen Haken – und der Haken noch nen Haken!

Widerhakenlose Drillinge findet man nicht oft im Angelladen. Die Alternative: mit einer guten Zange die vorhandenen Drahtspitzen andrücken!

Wenn mich jemand fragen würde, was für mich das wichtigste Utensil beim Angeln ist, müsste ich nicht lange überlegen: natürlich der Haken! Ohne den bleibt nun mal kein Fisch hängen. Worüber ich mir deutlich mehr Gedanken gemacht habe, ist der Widerhaken. Jahrelang habe ich ihn wortlos als das hingenommen, was er war. Doch wieviel Sinn macht so ein Widerhaken? Ist er sogar kontraproduktiv? Oder hat er doch seine Daseinsberechtigung und darf an keinem Haken fehlen? Die Antwort erfährst du, wenn du weiterliest!

Warum ein Widerhaken verbaut wird, ist schnell erklärt. Die Idee dahinter ist, dass der Haken aus dem Fischmaul nichtmehr ‚rausrutschen‘ soll, nachdem er einmal hineingetrieben wurde. Eine lange Zeit war dieses Argument für mich nicht anzuzweifeln, bis ich mir folgende Frage gestellt habe: Wenn ich die Schnur im Drill sowieso stehts unter Spannung halte, wie wahrscheinlich ist es dann, dass sich der Fisch wieder vom Haken lösen kann? Dieser Gedanke war für mich der Anstoß für ein kleines Experiment. Ich habe alle meine Drillinge „beschnitten“, sprich die Widerhaken entfernt. Ich wollte sehen, wie sich das Ganze auf meine Fangerfolge auswirkt. Ein paar Wochen später konnte ich mit Erstaunen feststellen, dass sich das Experiment gelohnt hat!

Meine Befürchtungen, vielleicht doch mehr Fische im Drill zu verlieren, haben sich nicht bestätigt. Natürlich war es aber immer von Nöten, auf die Schnurspannung zu achten, denn mit schlaffer Schnur und ohne Widerhaken ist das ‚Ausstiegsrisiko‘ deutlich höher. Es haben sich aber auch Vorteile herausgestellt, die vor allem den Funfaktor beim Angeln unterstreichen und den schonenden Umgang mit dem Fisch begünstigen. Nicht selten war es nämlich der Fall, dass sich der Köder direkt aus dem Hechtmaul gelöst hat, nachdem der Fisch gekeschert war. Denn nach dem ‚Einnetzen‘ erschlafft die Schnur und nimmt somit die Spannung vom Haken, der durch ein paar wenige Schüttelbewegungen des Fisches aus dem Maul herausrutschen kann. Das erleichtert es für den Fänger oder die Fängerin, den Fisch nach dem Fangen zu versorgen. Denn oft hatte ich das Problem bei Widerhaken, dass sich diese Kaum aus dem Maul lösen ließen, schlimmstenfalls sogar im Keschernetz verheddern, während der Haken noch im Fisch steckt. Häufig kam dann der Saitenschneider zum Einsatz, mit dessen Hilfe ich die Hakenspitze abklemmen konnte und sich der Köder entfernen ließ. Seit ich widerhakenfrei angeln gehe, habe ich auch nichtmehr das Problem, dass ich den Haken minutenlang aus dem Netz rausoperieren muss, was mich vorher schon so manche Masche gekostet hat – ein Vorteil der viel Nerven, Zeit und Material spart! Wer sich selbst von diesen Argumenten überzeugen möchte, ohne es vorher selbst wochenlang zu testen, der kann in diesem Video von Kanalgratis den direkten Vergleich von widerhakenfreien Haken und Haken mit Widerhaken beobachten. (Unbezahlte Werbung)

Ohne Widerhaken lebt es sich auch viel gesünder. Und hier spreche ich sowohl im Namen des Fisches, als auch aus Sicht des Anglers! Mein Horrorszenario: ein Haken steckt irgendwo in meiner Haut, im Daumen oder in der Lippe. An sich schon schmerzhaft genug, durch den Widerhaken steht  aber noch ein weiteres Problem im Raum: man kann den Haken nicht einfach wieder rausziehen, sondern muss ihn ‚durchdrücken‘ bis der Widerhaken frei liegt und man diesen mit dem Saitenschneider abklemmen kann. Das kostet Überwindung und ist auch nicht wirklich angenehm! Auch ein wiederhakenfreier Drilling tut weh, wenn er mal im Finger steckt, er lässt sich jedoch einfach wieder rausziehen, da kein Widerhaken vorhanden ist, der das verhindern möchte. Nicht nur der Angler ist dann froh über den fehlenden Widerhaken – auch der Fisch, der wieder zurückgesetzt wird, erleidet weniger Schaden durch das Fischen ohne Widerhaken. Ganz zeitgemäß ist es also eine logische Konsequenz, dass in den großen Angelturnieren mittlerweile eine Regel besteht, die das Verwenden von Widerhaken verbietet!

Ich denke ein Widerhaken ist viel Kopfsache – und klar ist es ärgerlich wenn man einen Fisch verliert, aber man weiß in dem Moment nicht, ob der fehlende Widerhaken schuld war oder ein anderer Umstand. Für mich als Angler ist es eine Erleichterung, den Widerhaken wegzulassen, da ich dadurch weniger Stress habe, nachdem der Fisch im Kescher gelandet ist. Und unsere Freunde aus dem Wasser finden die Idee ohne Widerhaken bestimmt auch nicht schlecht! Ich kann nur jedem raten, es auszuprobieren und sich von dem Ergebnis überraschen zu lassen!

Euer Aaron

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