Balance Teil 1: Catch and Release oder Kochtopf?

Kaum ein anderes Thema wird in der Angelszene so heiß diskutiert wie die Frage, was mit dem Fisch passieren soll, der gerade im Kescher gelandet ist. Beim durchstöbern von Diskussionsforen können zu dieser Situation oftmals zwei  sehr gegensätzliche und extreme Meinungen gefunden werden: Auf der einen Seite findet man Kommentare wie „Angeln ist für mich ein Sport und ich liebe es ihn auszuüben. Den Fischen macht das nix aus, die Spüren keine Schmerzen also lass ich sie wieder frei!“ oder „Ich nehme keine Fische mit, damit der Bestand gewahrt bleibt“. Oftmals stehen Personen hinter diesen Kommentaren, die ‚Catch and Release‘ betreiben. Hierbei werden die gefangenen Fische nach dem Fang wieder in ihr Element entlassen. Die Opposition der C&R-Angler bildet eine Gruppe, die oft umgangssprachlich als ‚Kochtopfangler‘ bezeichnet wird. Wie der Name schon vermuten lässt, steht für diese Personen der Nahrungserwerb neben dem Spaßfaktor beim Angeln an erster Stelle. Hier wird zum Beispiel damit Argumentiert, dass Fisch eine wertvolle Nahrungsquelle darstellt, die es nicht zu verschmähen gilt. Ein weiteres Argument aus der Ecke der ‚Vollverwerter‘ beinhaltet die Aussage, dass es doch eine unnötige Quälerei für die Fisch darstelle, diese nur zum Spaß zu fangen.

Das Gute an Extremen ist, dass sie viel Platz für die Mitte geben. Denn die oben genannten Antworten auf die Frage, was der Angler oder die Anglerin mit dem gefangenen Fisch anstellen soll, sind nicht die Einzigen. Das Stichwort: Balance. Jeder, der die Fischerprüfung abgelegt hat, sollte verstehen können, dass  stark frequentierte Gewässer irgendwann keine Fische mehr hergeben, wenn alle Fänge zu Hause in der Gefriertruhe landen. Jedoch wurde einem auch gelehrt, dass man stark verletzte Fische nicht mehr zurücksetzen soll, damit sich das Tier nicht Quält und langfristig als Infektionsüberträger sogar schädlich für das Gewässer werden kann. Eine optimale Lösung liegt also irgendwo in der Mitte.

Von Gesetzes wegen gibt es schon lange Vorgaben, die auf eine vernünftige Entnahmeregelung hinarbeiten. Neben der Schonzeit und der Fangmengenbegrenzung spreche ich hier vor allem von den Mindestmaßen der einzelnen Fischarten. Es dürfen also nur zu einer bestimmen Zeit eine bestimmte Anzahl an Fischen entnommen werden, die außerdem eine bestimmte Größe erreicht haben müssen. Soweit so gut, jedoch muss man an dieser Stelle noch weiter denken. Denn somit wird zwar hauptsächlich der Nachwuchs geschützt, die Tiere, die für die Reproduktion nötig sind jedoch nicht. Ein Meterhecht, der viele Eier produziert und starke Gene in seiner DNA trägt, darf nach den genannten Vorgaben mitgenommen werden. Glücklicherweise findet Vielerorts schon eine Erweiterung dieser Regelungen in Form eines „Küchenfenster“ statt. Dieses steht als Symbol für folgende Regel: Es darf in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anzahl an Fischen mitgenommen werden, die eine bestimmte Größe erreicht – und jetzt kommts – aber auch eine bestimmte Größe nicht überschritten haben dürfen. Ein Beispiel: in meinem Vereinsgewässer ist es seit letztem Jahr so geregelt, dass Hechte nur zwischen einer Größe von 60 und 90 Zentimeter entnommen werden dürfen und alles was größer ist, nochmal zurückgesetzt werden MUSS. Dadurch wird sowohl der Nachwuchs als auch das Muttertier geschützt, sodass einem ‚Überfischen‘ des Gewässers vorgebeugt werden kann.

Im Fazit und gleichzeitig aus meinem Blickwinkel möchte ich folgendes auf den Weg geben: Denkt langfristig und entnehmt nicht alles was ihr in die Finger bekommt. Dadurch tut ihr was für die Nachhaltigkeit, das Gewässer und eure Mitangler*innen. Werft aber auch nicht jeden Fisch wieder ins kühle Nass, denn stark verletzte Fische haben eine geringe Überlebenschance. Letztendlich müsst ihr immer reflektieren können, ob euer Verhalten am Wasser vertretbar und mit dem Gemeinwohl vereinbar ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: